Vokalensemble Gaienhofen e.V.

 

Johannes Brahms
Ein deutsches Requiem

Bearbeitung für Kammerorchester (arr. J. Linckelmann) op. 45


2022 ist in vielerlei Hinsicht ein Jahr, um Inne zu halten und zu gedenken. Nicht nur, wegen Pandemie, Klima, Inflation und Krieg, sondern auch, weil es Ereignisse und Momente gibt, an die es lohnt, sich zu erinnern.


Das Vokalensemble Gaienhofen erfüllt sich anlässlich seines 30jährigen Chorjubiläums mit der Aufführung des „Deutschen Requiems“ einen Herzenswunsch und lässt, 125 Jahre nach dem Ableben des großen deutsche Meisters der Romantik, sein bedeutendstes Werk für Chor, Orchester und Solisten erklingen.

 


Mit seiner Musik wollte Brahms in erster Linie eines: den Hinterbliebenen Trost spenden. Ausgewählt hat er Texte von Menschen für Menschen. "Ich habe meine Trauermusik vollendet als Seeligpreisung der Leidtragenden", so Brahms.
Die Zurückgebliebenen bilden den Mittelpunkt dieses humanistischen Werks. Ihnen gilt es Trost zu spenden, das vermittelt der Gesang des vierstimmigen gemischten Chors. Begleitet werden Chor und Solisten (Julia Küsswetter, Sopran und Armin Kolarczyk, Bariton) vom „Kammerorchester Gaienhofen“ mit Miriam Büttner als Konzertmeisterin. Wie in der „klassischen Philharmonie Gaienhofen“ musizieren ambitionierte Amateurmusiker zusammen mit professionellen Musikerinnen und Musikern (zumeist Musik- und Instrumentallehrer) aus dem Kreis Konstanz, aus Südbaden und aus dem Großraum Stuttgart. Einige Instrumentalisten musizieren auch in bekannten regionalen Orchestern und Ensembles (Kammerphilharmonie Bodensee-Oberschwaben, Concerto Konstanz, Auenwald-Brass-Ensemble). Die Bearbeitung des Deutschen Requiems für Kammerorchester sieht statt der Bläser-Besetzung eines Sinfonieorchesters ein Holzbläserquintett vor. Siegfried Schmidgall, der Dirigent des Vokalensembles Gaienhofen freut sich sehr, dass es gelungen ist, für diese solistisch eingesetzten Instrumente mit Reinhilde Klinghoff-Kühn (Flöte/Piccolo), Susann Scheibling (Oboe), Akiko Arakaki (Klarinette), Stefan Barthel (Fagott) und Eduard Funk (Horn) hervorragende Profi-Musiker zu gewinnen.

Geboren 1833 in einem Hamburger Arbeiterviertel lernte Brahms im Alter von zwanzig Jahren seinen Komponistenkollegen Schumann kennen, mit dem ihn in der Folge eine enge und bemerkenswerte Freundschaft verband. Möglicherweise war es Schumanns seelischer Zusammenbruch und sein Tod, der Brahms erstmals dazu inspiriert hat, über die Komposition eines solchen Chorwerkes nachzudenken. Als 1865 auch Brahms Mutter starb, bekam die Idee einen neuen Aufschwung und nahm schließlich die Form an, die wir heute kennen. Das Deutsche Requiem, 1869 in Leipzig uraufgeführt, etablierte sich rasch als Meisterwerk der romantischen Kirchenmusik des 19. Jahrhunderts.

Der schwer zu begeisternde Wiener Musikkritiker Eduard Hanslick urteilte hymnisch: „Seit Bachs h-Moll-Messe und Beethovens Missa solemnis ist nichts geschrieben worden, was auf diesem Gebiete sich neben Brahms’ Deutsches Requiem zu stellen vermag“. Die originale Orchesterfassung hat Brahms für einen Chor von über 200 Sängern konzipiert. Für heutige Chöre mit weniger Sängern ist die Bearbeitung für Kammerorchester von J. Linckelmann eine reizvolle Variante. Sie vermittelt dem Zuhörer ein wunderbar filigranes, chorisches Klangerlebnis und vermeidet das mögliche Ungleichgewicht zu einem sehr stark besetzten Sinfonie Orchester.

Textlich folgt der Komponist nicht dem gattungstypischen liturgischen Ablauf einer Totenmesse. Seine sehr persönliche Textauswahl aus dem alten und neuen Testament sowie aus den Apokryphen thematisiert weniger die Trauer, sondern stellt Trost und Hoffnung auf ein friedvolles Leben nach dem Tod ins Zentrum der Aussage. Gleichzeitig vermeidet das Werk sorgfältig jeden Bezug zu einem liturgischen Gottesdienst oder christlichen Ritus. Ursprünglich wollte Johannes Brahms sein wichtigstes Chorwerk „ein menschliches Requiem“ nennen. Clara Schumann schrieb in einem Brief an Johannes Brahms, nachdem sie die Noten des 6. und 7. Satzes von ihm erhalten hatte: „Zu erzählen gibt es hier wenig, aber sagen muß ich Dir noch, daß ich ganz und gar erfüllt bin von Deinem Requiem, es ist ein ganz gewaltiges Stück, ergreift den ganzen Menschen in einer Weise wie wenig anderes. Der tiefe Ernst, vereint mit allem Zauber der Poesie, wirkt wunderbar, erschütternd und besänftigend. Ich kann’s, wie Du ja weißt, nie so recht in Worte fassen, aber ich empfinde den ganzen reichen Schatz dieses Werkes bis ins Innerste, und die Begeisterung, die aus jedem Stücke spricht, rührt mich tief, daher ich mich auch nicht enthalten kann es auszusprechen. … Ach könnte ich es hören, was gäb ich wohl darum“.